Ja. Ich höre auf zu Rauchen. Schon wieder. Und sehr bald. Irgendwann im Laufe des heutigen Tages.

Vor etwas mehr als zwei Jahren startete ich die #monotransformation. Alles begann mit einem Blog-Eintrag („Die Mono-Transformation. Ein Experiment.“), den ich am 20. Juli 2015 verfasst und veröffentlicht habe. Es ging darum, das Rauchen aufzugeben und dem ersten Blog-Post folgten sechs weitere Posts, in denen ich den Prozess des Entzugs begleitete. Ich bekam unglaublich viel Feedback und es schien, als würde ich stellvertretend für eine ganze Armee rauchender Mitmenschen durchleben, was der handelsübliche Raucher so durchlebt, wenn er kalt entzieht. Seinerzeit war ich damit erfolgreich, begann jedoch keine 9 Monate später wieder mit dem Rauchen und bin seit dem mit diversen Versuche, es wieder sein zu lassen, krachend gescheitert.

Nun sitze ich hier auf einer Insel im Süden und schaue der aufgehenden Sonne zu. Ich habe noch 5 Zigaretten in der Schachtel, die ich mir mit meiner Freundin teilen muss, bevor ich den nächsten Versuch unternehme. Und dieses Mal wird es klappen, denke ich, während ich am Espresso nippe und eine weitere Zigarette anstecke.

Pflaster, Vaping, Hypnose, Akupunktur, Sauna und Sex.

Es gibt viele Strategien um sich endgültig dem Nikotin zu entziehen. Ich könnte endlich dieses Nichtraucher Buch lesen, mich endlich von einem Hypnotiseur vollquatschen, mich mit Akupunktur-Nadeln malträtieren lassen oder diese unfassbar teuren Nikotin-Pflaster auftragen. Ich könnte aber auch einfach aufhören zu Rauchen. Ist es nicht eine reine Kopfsache? Ist es nicht die ultimative Kunst, sich der Kontrolle über sich selbst, der Existenz seines freien Willens gewahr zu werden? Es müsste also theoretisch ganz einfach sein. Ist es aber nicht.

Wie so ziemlich jeder Raucher, bin ich ein Suchtmensch. Irgendwann saß ich bei einer Therapeutin, die mir bescheinigte: „Herr Hammoudah, sie sind  ein Suchtmensch. Sie werden ihre Sucht nie überwinden können. Lernen sie lieber, besser damit umzugehen. Entwickeln sie eine Kompensationsstrategie.“ Und genau das tat ich. Ich fand Kompensation im Essen, im Sport, bei der Arbeit und beim Sex und versuchte so, die Chance im Untergang zu finden, wie die Nadel im Heuhaufen. Und bei all den Dämonen, die ich zu züchtigen wusste, erlaubte ich mir immer das Rauchen als letzten Kanal, um nicht in dem Unterfangen eine perfekte Version meiner selbst zu werden, gnadenlos einzubrechen und wieder zurückzufallen in selbstzerstörerische Verhaltensmuster.

Aber das ist von nun an Geschichte. Vielleicht.

Ich werde jetzt die letzten Fluppen genießen, laufen gehen, meditieren, mich gut ernähren, und in den nächsten Wochen mehr Sex haben als ihr 🙂 So einfach wird es sein. Oder etwa nicht?

Vielleicht bin ich aber auch hart genervt, will die ganze Zeit unbedingt rauchen, verbreite schlechte Laune, quatsche jeden von meiner Leidenszeit zu, und stopfe mich mit Schrott voll, streite mich mit meiner Freundin, schlafe schlecht, wache schweissgebadet auf, träum komisch, kann Kaffee nicht mehr genießen, bin unkonzentriert, und werfe die mühsame Aufbauarbeit in den Bereichen Positivität und Pro-Aktivität so erfolgreich und geflissentlich über den Haufen.

So oder so. Scheiss auf den Konjunktiv.

Man schafft sich seine Realität halt auch mit Worten und deswegen muss dieser Beitrag zu Ende gehen, wie damals, als ich stets konkrete Maßnahmen aufgelistet habe, die ich  zur Überwindung der Sucht erfolgreich durchführte. Und mit einem starken Statement, das keinen Raum für Interpretationen zulässt. Scheiss auf den Konjunktiv. Hoch lebe der Imperativ.

 

Für den Einstieg in den Ausstieg:

  • Diesen Blogpost schreiben
  • 10km laufen gehen
  • Mindestens eine halbe Stunde Meditieren
  • Mallorca’s Sehenswürdigkeiten entdecken
  • Gesund und lecker ernähren.

Die nächste Phase der Mono-Transformation hat begonnen. Fast. Haha.